Verabschiedete Pferde

Abschied nehmen.......................mussten wir am 9.Februar 2017 von

                                  L i n u s

Er zeigte uns an diesem Morgen, dass er für immer gehen muss. Ein besonderes Ausnahmepferd hat uns verlassen. Mit gerade mal 10 Monaten kam er zu uns und wäre im April 28 jahre alt geworden. Mit ihm begründete sich unser Zugang zur Naturheilkunde, er hat uns -mit starkem Lebenswillen - davon überzeugt, dass es noch andere Wege zur Gesundung gibt und die Tür geöffnet, uns anderen Methoden zuzuwenden, wie Heilung und Linderung auch stattfinden kann.

Ein Fjordpferd mit starken Führungsqualitäten, nie böse, aber unglaublich trick - und einfallsreich, wenn es um seine Ideen ging! Nichts war sicher vor seinen Entfesselungs - und Türöffnerqualitäten. Er hat massgeblich den Hof, die Atmosphäre mitgestaltet - besonders die sicheren Einzäunungen ! Kamen wir mit einem Fotoapparat um die Ecke, stellte er sich schon in Positur; gab es wichtige Aufgaben zu erledigen wie z.B. trächtige Stuten zu beaufsichtigen...........wir hätten ihm bedenkenlos den Türschlüssel und das Telefon überlassen, so aufmerksam nahm er sich dieses Auftrages an. Er war ein echtes Goldstück ! Auch wenn so mancher Reitgast angesichts seiner unbändigen Führungsrangeleien Schweißausbrüche oder Verzweiflungsanfälle bekam - Linus gewann fast immer! Es sei denn, die Chefin stand neben ihm - dann gab er den Braven, Aufmerksamen, Arbeitswilligen. Wehe, sie drehte sich weg...........dann klaute er die Zügel den Menschen aus der Hand, erledigte die Aufgabe mehr oder weniger alleine, die gestellt wurde und ließ sich neue Faxen einfallen. Nie gebissen, nie gestiegen konnte er ein unglaublich rittiges Pferd sein - und ein Herdenführer, der sogar dem Camarguewallach Chaco Ordnung beibrachte, obwohl Linus zu der Zeit kaum laufen konnte auf Grund seiner Erkrankung. Aber Führungsstärke misst sich eben nicht an Größe, Muskeln oder Dynamik. Immer wieder wird deutlich, wo er Spuren hinterlassen hat - er fehlt uns!

Ein besonders witziger, intelligenter und willensstarker Fjordi hat sich verabschiedet - wir sind traurig und gleichzeitig dankbar, ein so großartiges Pferd eine solch lange Zeit bei uns gehabt zu haben und von und mit ihm lernen zu dürfen...........................tschüß, Linus - wir sehen uns wieder!  Und mach' auf Manitous Weiden nicht soviel Blödsinn!

 

                     S k i p p y

hat uns - und ganz besonders mich - am 16.Oktober 2016 mit 27 Jahren verlassen. Sie war eigentlich immer wirklich m e i n Pferd, mit mir verbunden. Auch wenn Klaus sie gern auf Wanderritten einsetzte, war sie , gerade in den letzten Jahren, zusehends auf den Kontakt mit mir geeicht. Nachdem wir sie mit ca. 19 Jahren aus dem Unterricht nahmen, da sie immer unwilliger reagierte, arbeitete ich fast ausschließlich mit ihr. Später konnte ich sie auch vereinzelt wieder im Unterricht einsetzen, was sie aber ganz offenkundig mir zuliebe machte. Ich liebte die Ausritte mit ihr und meiner gelben Hündin Cleo; sie trug mich anstandslos, mit Gelassenheit durchs Gelände, hatte vor (fast) nichts Angst und wir eroberten unser regionales Umfeld. Es war traumhaft, denn für mich war all dies eine ganz persönliche Auszeit, ja fast eine Therapie für meine Seele - ich glaube für ihre Pferdeseele ebenfalls !

Seit dem sie 4 Jahre alt war, kam sie zu mir - dass teuerste Pferd, was ich mir jemals "geleistet" habe. Sie war ein amerikanischer Import und hatte bei der Abholung durch uns große Sorge im Anhänger. Ich fuhr mit ihr hinten drin , legte den Arm auf ihren Hals und nach ca. einer 1/2 Stunde war alles gut. Seitdem ging sie immer souverän in den Pferdeanhänger, selbst kleine Kinder konnten sie dort reinführen.

In ihrer Gruppe war sie stets Chefin, dennoch immer leicht distanziert - wie viele Quarter, die ich kannte. Ihre beste Freundin war Lina, unsere graue Fjordstute( gest.2013),die ihr auch bei der Geburt und Erziehung von Sally, ihrem einzigen Fohlen bei uns, behilflich war. Lina sorgte empathisch für die kleine, gelbe Fjord-Quartermix-Stute, wenn Skippy Zeit für sich brauchte. In 1996 hatte sie mit Zwillingen eine Fehlgeburt, was Skippy unglaublich aus der Bahn warf. Wir sorgten uns sehr um ihre Gesundheit - psychisch wie physisch - und päppelten sie allmählich wieder auf. Danach galt es stets, ihr ein gutes Training angedeihen zu lassen - trotz miserabelster Hufe, aufwendigem Beschlag und immer mal Rückenproblemen. Auch sie profitierte zunehmend von unseren naturheilkundlichen Kenntnissen und Behandlern und ausgefeiltem reiterlichen Sitz und Korrektur. Nur auf Messen und Präsentationen "wollte sie nie mit"......stets kurz vorher lahmte sie, oder ein Eisen war locker oder, oder . Wir respektierten dies -genauso wie die Ablehnung für Therapien.

Aber im Kirmesumzug einen Jugendlichen vor einer Musikkapelle herzutragen - das war in Ordnung ! Keinen Mucks machte sie und sorgte für den Reiter - das war ihre Stärke!         Stark wollte sie auch beim Abschied sein, aber es gelang ihr nicht mehr und wir mussten alle Energie aufbringen, um sie zu beruhigen, bis die Tierärztin erschien, um sie endlich zu erlösen. Skippy hatte ein riesiges Loch in meiner Pferdehaltung hinterlassen und ich dachte oft mit tiefer Wehmut an sie.

Als es so gar nicht besser werden wollte, traf ich - sicher nciht zufällig - auf eine Lektüre über die Aufstellungsarbeit mit Pferden - und ich nahm mich der Herausforderung an. Mit reichlich Tränen, aber größter Dankbarkeit konnte ich sie dann ziehen lassen - zu den anderen auf Manitous großen Weiden, wo sie ganz sicher wieder einen Chefinposten innehat !         Danke für diese Zeit !

 

 

                    

Am 16.August 2016 war es soweit........................R o m m i..............ging den letzten Weg. Schon Tage vorher baute er mental unglaublich ab; fast schien er in sich gekehrt, wurde fast träumerisch, wirkte abwesend und war eigentlich nur ausschließlich mit Fressen beschäftigt. Sicher schien es noch wichtig zu sein, dass sein Kumpel Leo in seiner Nähe war, aber wirklich gekümmert hatte es ihn wohl nicht mehr.Wir besprachen ihn, seinen Allgemeinzustand und Klaus fasste den Entschluss, einen Termin mit der Tierärztin zu verabreden. Einen Tag zuvor war er sehr gestolpert und es fiel ihm sichtlich schwer, seine Balance zu halten. Natürlich kann man streiten über den "richtigen" Zeitpunkt, ein Pferd gehen zu lassen. Doch bislang hatten sie uns alle stets Signale gegeben, wann sie bereit dazu sind - wie auch unsere verabschiedeten Hunde. Dies war bei Rommi der Fall. Es anzusehen, wie ein so vitales,freches Pferd entsprechend dem Alter abbaut, abmagert, Mühe mit alltäglichen Gepflogenheiten hat - das ist für uns Menschen sicher schwer auszuhalten! Aber wir sind fest überzeugt davon, dass all die zuverlässigen Pferde-Kollegen ein Anrecht darauf haben, auch im Alter versorgt zu werden - so lang es ihnen einigermaßen artgerecht gut geht.

Ein junges Pferd kann jede/r kaufen, reiten, nutzen - und oft leider auch beim "nicht mehr funktionieren günstig abgeben". Das sehen wir anders, denn wir bauen eine Bindung auf, wir sind Verlasspartner für unsere Tiere......und in diesem Fall war es Klaus besonders für Rommi! Der "dicke, kleine Fjordi", als er zu uns kam und eigentlich keine Lust hatte zum Arbeiten. Ziemlich ungezogen, teilweise widersetzlich und zugleich ein kleiner Angsthase kümmerte sich Klaus um ihn, bis er ein unglaublich rittiges, fleißiges Geländepferd wurde. Zudem erarbeitete er sich einen Spitzenplatz (neben Taifun) in der Reittherapie und war wunderbar im Umgang mit den beeinträchtigten Menschen - sofern er der Führperson volles Vertrauen entgegenbrachte. Klaus war sein Chef - in allen Lebenslagen - und ähnlich robust gestrickt wie dieser. 

In der Herde fühlte er sich am Wohlsten, brauchte stets einen Pferde-Chef bei sich - dann war alles gut. Als er einmal mit den Jungpferden aus der Weide abbüchste, tat er zwar so, als wüsste er - der "Obermacker" - Bescheid, war aber mindestens genauso aufgelöst und panisch wie das Jungvolk selbst und kaum noch ansprechbar. Biegungen, weich im Genick nachgeben - das waren eher Fremdworte und sicher von den Menschen falsch interpretiertZwinkernd! Aber schnurstracks geradeaus lostraben was das Zeug hält - das war pure Freude und trittsicher in fast jedem Gelände. Und nun ist er nicht mehr bei uns - sondern bei all seinen anderen Pferde-Kumpeln auf Manitous Weiden und beschäftigt sich mit seiner Lieblingstätigkeit : fressen ! Es sei dir gegönnt, lieber Rommi ! Hier bei uns hast du genug geschafft - danke dafür !    

 

 

Am Ende des Jahres 2014 - genauer gesagt am 24.Dezember, Heiligabend - wurden wir am Morgen beim Füttern von einer völlig verschmutzten L a u r i  empfangen, die wir kaum noch erkannten, so stark war die Verschmutzung! Sie war apathisch, völlig ausgekühlt und wollte auch nicht fressen. Wir unternahmen alles uns zur Verfügung stehende Wissen, Behandlung  und Verständnis für die aktuelle Notlage : Lauri hatte in der Nacht offenbar schon eine massive Kolik bekommen. Es war schon jahrelang begleitend ihre gesundheitliche Beeinträchtigung.........bei raschem Wetterwechsel reagierte sie stets mit solchen Erkrankungen. Meistens erkannten wir es beizeiten und konnten eingreifen. Jedoch an diesem Tag wurde uns klar, dass wir sie verlieren werden. Wir bewegten sie sanft, wir massierten sie, deckten sie ein mit zusätzlichem Strohpolster, rieben sie warm und gaben ihr die notwendigen Medikamente, auf die sie bisher immer ansprach. Geschockt von dieser Entwicklung über Nacht wurde für Klaus deutlich, dass er diesem tollen Pferd keine zusätzlichen Belastungen zumuten wollte wie Hängerfahrt, Infusionen und ähnliche Streßfaktoren.Wir wechselten uns in der Betreuung ab, nahmen sie in den Arm und sprachen ihr Mut zu.

Aber vergeblich............sie starb am 24.Dezember in unseren Armen. Noch nie hatten wir solch eine traurige Weihnachtszeit, die uns aber zugleich verdeutlichte, wie endlich dieses Leben ist und wieviel Wertschätzung jede/r im wirklichen Leben braucht, um es zu genießen, sich zu freuen und Lebenslust zu entwickeln.

Klaus legte immer großen Wert auf sein Pferd, seine Lauri, die ihm  soviel Freude bereitete auf Wanderritten, im Unterricht, im Gelände ! Trotz mancher Schrecksituationen, Empfindlichkeiten bei Insekten und eben auch die Kolikanfälligkeiten .......sie war seine graufalbfarbene Fjordstute mit Power, Wendigkeit und : sie war sein Hochzeitspferd
bei unserer Trauung auf unserem Hof ! Prächtig anzusehen, dezent geschmückt und ein Prachtbild mit ihrem Reiter! Mit 24 Jahren ist sie gegangen und verließ ihre hiesige Herde, besonders ihre 2 Freundinnen, mit denen sie stets "die 3 von der Tankstelle" präsentierte ! Wir wünschen ihr auf den riesigen Weiden Manitous eine feste Pferdegruppe, die gut auf sie acht gibt, wenn es ihr vielleicht mal gerade nicht so gut geht - danke, Lauri, für deinen unermüdlichen Einsatz bei uns !

 

 

L i n a , meine Lina war bei ihrem Abschied am 11.Oktober 2013, fast 30 jahre alt! Mit knapp 10, fast 11 Jahren war sie mein erstes Pferd nach der Trennung von meinem ersten Partner. Sie erinnerte mich mit ihrer unglaublichen Präsenz, ihrer wunderschönen hellgrauen Farbe, die im Winter fast weiß aussah und den Augen, die fast geschminkt wirkten, an eine starke, leidenschaftliche Schauspielerin! Von einer Züchterin im Marburger Raum kam sie bei winterlicher Eiseskälte im Hänger - mit Hilfe eines guten Freundes - zu mir auf den Hof. Zugleich wurde deutlich, wie wenig Erziehung sie hatte, ihre Kraft gnadenlos einsetzte, um ihren Willen zu erreichen und mich durch den (damals) hohen Schnee zerrte, das wir beide geschwitzt wieder zuhause ankamen. Graufalbfarbene Fjordis sind bekannt für Power - hatte sie ausreichend -, Ausdauer - sie besaß mehr als genug davon - und aktive Leistungsbereitschaft - sie lehrte es uns ,was dass heißt !

Nachdem wir viel Zeit in ihre Ausbildung und Korrektur verwendet hatten, wurde sie zunehmend vertrauter, fast anhänglich, aber immer ein sehr starkes Pferd, was Leistung zeigte. Im Unterricht, auf dem Platz entschied sie später selbst, dass sich ihr Reitgast auf dem Rücken zu benehmen, zu korrigieren hatte, denn sie sauste im Affenzahn in die Platzmitte und wartete ab - unglaublich! Mit Kraft, gar Wut oder Ärger ging gar nichts mehr bei ihr; dann fielen die "Rolläden" und sie machte sich fest im Hals und Rücken. War ich ganz bei ihr mit meiner Aufmerksamkeit, war sie dass tollste Pferd unterm Sattel....Wendungen, Stops, Biegungen, Seitengänge....ein Traum! Nur dran denken reichte oft schon und sie war wie Butter - gezäumt auf einfachem Gebiß oder mit Kappzaum. Die Reitgäste waren begeistert, wenn sie die richtigen Signale gaben, zutiefst frustriert, wenn sie sich nicht mit ihr verständigen konnten. Sie war ein wunderschönes und leistungsbereites Pferd, welches sich mit Skippy anfreundete. Mit diesen beiden konnten wir auch Ausritte unternehmen, ohne dass Lina losraste, da Skippy beriúhigend auf sie wirkte. Sie besonders hat mich gelehrt, nicht anzuspannen, sondern weich zu bleiben in meinen Wünschen und Vorstellungen, wie eine Übung auszusehen hätte - dann gelang sie auch!

Am 11.Oktober 2013 war mein erster Urlaubstag nach harten Arbeitswochen zuvor und sie hatte es offenbar abgewartet, dass ich für sie da bin. Sie legte sich am Mittag hin und stand nicht mehr auf; ich saß bei ihr auf dem Strohballen, sie legte ihren Kopf in meinen Schoß und wir warteten gemeinsam auf das Eintreffen von Klaus und später dem Tierarzt. Es war ergreifendr, dieses Pferd begleiten zu dürfen, bei ihr zu sein, als es nicht mehr ging und damit all meinen Dank an sie, für ihr Leben und Arbeiten bei uns, ausdrücken zu dürfen. Mein kleiner "Eisbär Lina" verabschiedete sich - vertrauensvoll in unseren Armen. Lass es dir gut gehen auf den großen Weiden - du hast es mehr als verdient!